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Wir leben in einer Zeit, die von Schnelllebigkeit bestimmt wird. Im Kontrast dazu rücken Themen wie Beständigkeit, Traditionsbewusstsein, Handwerkskunst und Qualität wieder in den Vordergrund. Dieses Jahr ist das auch bei der Trachtenmode der große Trend. Wie ist dein persönlicher Trachtenstil? Bist du eher Revoluzzer, der Traditionelle oder ein Mix aus beidem?
Allem voran würde ich nie Turnschuhe zur Lederhosn tragen. Tatsächlich mag ich auf der Wiesn einen eher traditionellen Trachtenstil. Zwar nicht das wie ein „geschmücktes Pfingstross“, sondern eher wie ein urbaner, moderner Holzhacker – kernig eben.

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Oliver Rauh, rush4 Style-Experte, Fotograf und Autor kennt sich mit Trachtenmode, Trends, Tradition und natürlich auch der Wiesn bestens aus. Alexander Onken moderiert seit 2005 das Wiesnstudio von münchen.tv – für reichlich Gesprächsstoff war also gesorgt.

Männer schmücken sich auch gerne mit feschen Dirndln. Wie siehst Du denn die Frau an Deiner Seite am liebsten?
Nicht unbedingt gern in Ballerinas, das sieht man häufig, aber es ist einfach nicht schön. Der damit verbundene „Entengang“, ohne das böse zu meinen, und das Risiko, sich an den vielfach herumliegenden Scherben zu verletzen, darf man nicht unterschätzen. Es gibt zahlreiche Sanitätseinsätze auf der Wiesn, die sich den Schnittverletzungen von Ballerina-Trägerinnen widmen müssen. Deutlich „gesünder“ ist es, sich mit Absätzen, die die Füße von den Scherben abheben, zu bewegen. Und es sieht einfach viel besser aus und der Gang ist auch eleganter. Lederhosen an Frauen verteufle ich nicht grundsätzlich, aber es muss passen, zur Frau, zum Oberteil und zum Gesamtlook.

Also definitiv keine Dirndl-Barbie. Was sagst Du zu den Damen die es gerne ziemlich funkeln lassen, z. B. bei der Damen-Wiesn oder auch dem allbekannten Almauftrieb?
Ich sehe das wie du. Frauen oder „Dirndl-Barbies“, wie du sie nennst, wollen um jeden Preis auffallen. Sie „verkleiden“ sich und machen auf „Chichi“. In meinen Augen fallen die Frauen deutlich positiver und mehr auf, die sich traditionell kleiden.

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Gemütlich und entspannt war die Atmosphäre des rush4 „Stammtisch-Interviews“.

Für Freunde der bayerischen Tradition ist es wunderbar, dass es auch dieses Jahr wieder die Oide Wiesn gibt. Wo bist du lieber? Auf der „normalen“ oder der Oiden Wiesn?
Ich mag die Oide Wies, weil sie einfach ursprünglich ist. Erstmals gab es sie zur Jubiläumswiesn 2010 und das kam vor allen Dingen bei den Münchnerinnen und Münchnern super an. Es ist dort einfach gemütlich, würdevoll und der der Tradition entsprechend. Beispielsweise ist das Volkssängerzelt eine feine Sache. Hier singt und macht jeder mit, dort ist eine Wahnsinnsstimmung. Aber natürlich hat auch die „normale Wiesn“ ihre Vorzüge. Zwar wird die Kommerzialisierung und „Verballermannisierung“ der Wiesn wird von Kritikern schon lange beklagt. Das kann ich verstehen. Aber so lange es die Oide Wiesn als traditionelle Alternative und Rückzugsort für die Münchner und Traditionalisten gibt, ist für mich alles in Ordnung.

 

Apropos Trachten und Tradition: Warst oder bist Du selbst in einem Trachtenverein Mitglied?
Ich war leider nie im Trachtenverein, ich komme ja ursprünglich gar nicht aus Bayern. Tatsächlich bin ich in Hanau geboren, ungefähr „5 Minuten von der bayerischen Grenze“ entfernt. Dort habe ich allerdings nie direkt gelebt, sondern immer „drum herum“. Einige Jahre habe ich in Franken gelebt, bevor ich Ende der 80er Jahre nach München gekommen bin. Hier lebe ich nun schon so lange, wie an keinem anderen Ort. Ich mache die münchen.tv-Wiesn nun seit 1999. Da war ich zum ersten Mal auf der Wiesn als Reporter unterwegs. Seit 2005 darf ich aus unserem Wiesnstudio moderieren. Und es gab in all diesen Jahren noch nie eine Beschwerde, was der „Preißnschädel“ da eigentlich macht. Es macht mich wirklich stolz, dass ich von Anfang an sofort akzeptiert wurde, es geht ja auch anders.

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Zwei, die immer für einen Spaß zu haben sind: „Der Onken“ und „der Rauh“ beim „Pirschgang“ durch die Fasanerie.

Apropos „strikte Haltung“ und Tracht: Trachtenvereine sind sehr strikt in der Kleiderordnung. Findest Du striktes Festhalten an Traditionen gut? Was ist hier dein Credo?
Ich habe tatsächlich kürzlich mit Günther Sigl von der Spider Murphy Gang über seinen Auftritt in der ZDF Hitparade Ende der 80er-Jahre gesprochen. Die Band ist damals zwar in keiner  traditionellen Tracht, aber eben etwas „angetrachtelt“ aufgetreten. Die Reaktion kam umgehend – heute würde man „Shitstorm“ dazu sagen, damals war noch eine ganz andere Zeit. Die Tracht wurde tatsächlich nur von den Trachtenvereinen und Traditionalisten getragen. Als „echter Münchner“ ging man hier noch in Jeans und Lederjacke auf die Wiesn. Damals hast Du die Touristen an der Tracht erkannt. Der kommerzielle Trend, dass die breite Masse in Dirndl und Lederhosn auf die Wiesn geht, kam erst deutlich später.
Doch die Kommerzialisierung der Tracht hat die Traditionstracht zurückgedrängt. Es gibt sie aber noch in den Trachtenvereinen. Insofern finde ich die Tradition, die dort bewahrt
und gelebt wird, sehr gut und wichtig. Aber gleichermaßen gilt natürlich auch hier „leben und leben lassen“. Ich persönlich finde es absolut legitim, dass die Tracht auch etwas freier und kommerzieller interpretiert und getragen werden darf.

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Bei einem „zünftigigen“ Stammtisch darf eine „ordentliche Brotzeit“ auf gar keinen Fall fehlen, wie hier in der Fasanerie.

Das Schöne an Tradition ist auch das Weitergeben von Wissen, Bräuchen und Respekt. Du stehst als TV-Moderator in der Öffentlichkeit. Welche Werte sind dir besonders
wichtig?
Mir hat mal ein Schuldirektor gesagt, und auch, wenn der Spruch schon älter ist, finde ich ihn sehr treffend: „Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo die Freiheit des nächsten beginnt.“ Das hat für mich nach wie vor Bestand, die einfachen Werte im Leben, die offenbar für Viele heutzutage schwierig zu leben sind. Ein Beispiel: Wenn du Mist baust, stell dich hin und steh dazu! Lügen geht gar nicht.

Du bist gelernter Schauspieler. Bei münchen.tv hast du es längst geschafft, als „der Onken“ eine Institution zu sein. Wie hat dir deine Ausbildung geholfen, der TV-Onken zu werden?
Tatsächlich bin ich ein eher zurückhaltender und schüchterner Typ. Ich sitze lieber am Rand und beobachte mit etwas Abstand das Geschehen. Wenn ich aber in den Vordergrund gedrängt werde, dann gehe ich auch direkt nach vorne durch. Ich habe z. B. vor einiger Zeit eine Wette gegen einen Radiokollegen verloren und musste in einem Hühnerkostüm die Hofbräu-Kapelle dirigieren. Das kann man ganz verschämt und peinlich berührt machen oder man gibt eben Vollgas geben. Ich habe mich für die zweite Option entschieden, um mir nicht anmerken zu lassen, wie peinlich mir das war. Die Schauspiel-Ausbildung hat mir aber insgesamt sehr bei meiner Moderatoren-Karriere geholfen. Übrigens hatte ich als einziger meines Jahrgangs den Abschluss in der Tasche, alle anderen haben vorher „das Handtuch geworfen“ oder sind rausgeflogen. Damals dachte ich: „Was ein Durchmarsch, jetzt kommt die große Karriere“. So war es aber nicht. Ein guter Kontrast: Ich bin damals unter anderem im Leipziger Schauspielhaus aufgetreten. Unser Plakat hing neben dem von Götz George. Das Haus war ausverkauft. Und dann kam ich zurück nach München und musste für die Miete an einer Hotelrezeption jobben. Ich war eben nicht geduldig genug. Ich wollte, dass die Schauspielerei sehr schnell auch Beruf ist – und nicht nur Berufung. Das Hotel, in dem ich damals gearbeitet habe, war direkt neben tv.münchen, so hieß münchen.tv damals noch. Und so kam ich 1995 zum Sender. Erste Station waren die Nachrichten. Ich habe aber auch andere Dinge gemacht: Kamera (Studiokameramann), Schnitt, Vertonung, war
die Vertretung verschiedener Moderatoren in unterschiedlichen Sendungen. 2001 wurde ich gebeten, die Sendung „Stadtgeflüster“ zu übernehmen. Das Promimagazin heißt inzwischen
„szene münchen“ und ich darf sie seit vielen Jahren nicht nur moderieren, sondern auch inhaltlich gestalten. Hier kam mir dann die Schauspielerei wieder zugute: Denn im ersten Semester geht es ausschließlich darum, Hemmungen zu verlieren, aufzumachen, aus sich raus zu gehen und präsent zu sein. Du kannst nicht auf der Bühne stehen und völlig in dich gekehrt sein. Es ist erstmal ungewohnt, sich selbst im Fernsehen zu sehen und zu hören. Das kennt jeder vom Besprechen seiner Mailbox. Die eigene Stimme, das ist ganz seltsam.
Aber ich höre da zwischenzeitlich keinen Unterschied mehr. Anfangs war ich so nervös, dass ich versucht habe mich selbst zu spielen als sei ich nicht aufgeregt. Aber das wurde mit
der Zeit immer weniger. Ich bin längst tatsächlich so, wie ich mich gebe. Natürlich nicht immer, jeder Mensch hat unterschiedliche Facetten. Manchmal genieße ich es auch, allein zu
sein, keine Leute sehen oder reden zu müssen. Ganz normal eben, so wie jeder andere auch.

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Facettenreich, ehrlich, authentisch, direkt und vor allem humorvoll: Alexander Onken im rush4-Interview.

Ich habe gehört, dass du dieses Jahr eine neue Dame an deiner Wiesn-Seite haben wirst. Wer wird das denn sein, bzw. wann steht fest, auf wen wir uns freuen dürfen?
Die „Schiederin“ und ich haben 10 Mal gemeinsam unsere tägliche Livesendung vom Oktoberfest aus dem Wiesnstudio im Hofbräu-Festzelt moderiert. Die Fußstapfen, die sie hinterlässt, sind riesengroß. Viele Zuschauer werden sie vermissen. Nun ist unsere Wiesnsendung nicht die von münchen.tv, sondern in erster Linie auch die unserer Zuschauer. Also sollen sie mitbestimmen dürfen. Wir haben dazu aufgerufen, sich als Moderatorin an meiner Seite zu bewerben. Die Resonanz war enorm! Moderatorinnen, Schauspielerinnen, Musikerinnen, Models, vollkommene Laien – es war alles dabei. Anhand der Videobewerbungen haben wir die vielversprechendsten Kandidatinnen zu einem Casting zu uns ins Studio eingeladen, um zu sehen, wie die Chemie zwischen mir und den Bewerberinnen ist. Natürlich haben wir auch auf Spontanität und Schlagfertigkeit geachtet. Nach den Probeaufnahmen, die an drei verschiedenen Tagen stattgefunden haben, fanden wir schließlich unsere drei Favoritinnen. Doch welche der drei es sein wird, das entscheiden unsere Zuschauer. Mit jeder
werde ich zu Beginn der Wiesn einen Tag gemeinsam moderieren. So kann sich jeder zu Hause vor dem Fernseher ein genaues Bild von den Damen machen und für seine Lieblingskandidatin stimmen. Die Gewinnerin wird dann für den Rest der Wiesn an meiner Seite im Wiesnstudio sein.

Abschließend noch ein kurzes Wiesn-Frage-Antwort-Spiel: Dein Lieblingszelt?
Ich habe kein Lieblingszelt. Es gibt für jede Stimmung das entsprechende Zelt. Nachmittags mag ich gerne Bodos Kaffeezelt, wenn ich´s ruhiger mag, gehe ich auf die Oide Wiesn. Ist mir nach mehr Trubel, gehe ich ins Hacker-Zelt oder ins Winzerer Fähndl. An „stilleren Tagen“ gehe ich gerne ins Augustiner. Hier lässt sich so mancher zwischen den Sätzen etwas mehr Zeit. Jedes Zelt für sich ist toll.

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Stramme Wadl im Vergleich! Links spannt Alex Onken die Muskeln an, rechts posiert Oliver Rauh, traditionell mit Wadlschonern, Haferlschuhen und ohne Socken.

Dein Lieblings-Schmankerl?
Hendl! Unser Wiesnstudio ist bekanntlich im Hofbräu-Festzelt beheimatet. Die Festwirtin Margot Steinberg kommt aus dem Hause Jahn – also Wienerwald. Man weiß dort genau, wie an gute Hendl macht. Tatsächlich esse ich täglich außer an einem Tag ein Hendl.

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Inszenierte „Schräglage“: Alexander Onken und Oliver Rauh vor der Fasanerie.

 

Als kleines „Abschluss-Highlight“ haben wir noch ein paar Video-Sequenzen des Interviews für Sie zusammengestellt:

 

erstellt am: 11.09.2018

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Oliver Rauh

Creative Mind, Influencer & Stylist

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