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Über die Kunst, den Geist der Zeit zu treffen und sich dabei treu zu bleiben

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Seit 2008 ist Katharina Behrends als Geschäftsführerin bei NBC Universal Global Networks Deutschland für den deutschsprachigen Raum tätig.

Patisserie Dukatz

An einem verschneiten Wintertag im Februar sitze ich mittags in der Patisserie Dukatz und treffe, bei einer heißen Tasse Ingwertee, auf meine heutige Begleiterin für den Stadtspaziergang, auf Katharina Behrends. Sie ist Managing Director Central und Eastern Europe bei NBCUniversal und somit eine der mächtigsten Frauen im deutschen Mediengeschäft. Sie kommt gerade von der Berlinale zurück und entschuldigt sich, dass sie hier so abgehetzt erscheint. Eigentlich sieht sie aus wie das blühende Leben, auch die Eiseskälte draußen hat ihrem Strahlen keinen Abbruch getan. Sie sei so oft in der Patisserie, dass man hier schon wisse, was sie essen möchte bevor sie bestellt. Meistens isst sie hier eine Quiche. Die ist heute aber aus, so wird es eben ein Obstsalat und ein Sandwich. Sie bedaure das Wetter, denn bei wärmeren Temperaturen sei es sehr nett, vor der Patisserie in der Sonne zu sitzen und das Treiben zu beobachten. Von der Patisserie aus möchte Katharina Behrends ihren Stadtspaziergang durch das Lehel beginnen, wo sie schon seit vielen Jahren lebt und das ihr Lieblingsviertel in München ist. „Eigentlich dachte ich mir schon öfter, dass es mal Zeit für einen Tapetenwechsel wird, aber ich mag die Ecke so gern, dass ich mich dann doch immer wieder da-gegen entscheide. Im Lehel hast du das Gefühl, in einem italienischem Dorf und trotzdem mittendrin zu sein. Du bist von hier aus gleich auf der Maximilianstraße oder im Englischen Garten. Ich fahre fast alles mit dem Fahrrad. Da ist es auch zu meinem Büro in der Theresienstraße nicht sehr weit.“

Ich bin neugierig, wie es auf der Berlinale war. Sie erzählt, dass es sehr spannend gewesen sei. „Die Branche ist im Moment besonders kreativ und es entsteht so viel Neues. Auch für Produzenten ist das eine gute Zeit. Deutsche Serien werden nun auch international verkauft und gesehen. Das hilft uns allen.“ NBCUniversal habe erst kürzlich „Culpa“ produziert, seine erste fik-tionale Eigenproduktion, die letzten Sommer sehr erfolgreich auf 13th Street ausgestrahlt wurde. Ich möchte wissen, was ein Managing Director bei NBCUniversal eigentlich genau macht. „Im Grunde muss man sich um alles kümmern, aber die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung des Mediengeschäfts vom NBCUniversal stehen im Vordergrund, ebenso wie innovative Geschäftsmodelle.“ Seit zehn Jahren ist Katharina Behrends als Geschäftsführerin bei NBCUniversal für Deutschland, Österreich, Schweiz verantwortlich, am 1. Januar sind noch Osteuropa und Benelux hinzugekommen. Die ausgebildete Rechtsanwältin betreut alle neun Sender des Unternehmens. Mit über 7 Millionen Abonnenten ist das Medienunternehmen deutscher Marktführer im fiktionalen Pay-TV-Bereich. Für so einen verantwortungsvollen Job wirkt Katharina Behrends aber ziemlich entspannt. Sie entgegnet, dass der Job ihr schlichtweg großen Spaß mache. Zum einen interessierten sie Filme und Serien sehr, zum anderen liebe sie die ständig neuen Herausforderungen, die ihr Beruf mit sich bringe. Die Branche verändere sich so schnell. Ob ihr denn dieses sich schnell drehende Rad nicht Angst mache? „Die digitale Transformation beschleunigt sich zwar massiv, aber das ist genau das, was mich motiviert: immer wieder umzudenken und auf neue Bedingungen reagieren zu müssen.“

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Annekatrin Meyers und Katharina Behrends in der Patisserie Dukatz

St.-Anna-Platz

Der St.-Anna-Platz mit der Kirche „St. Anna im Lehel“ ist das Herz des Stadtviertels. Seien es Kinder, die auf dem Platz spielen oder ihr heißgeliebter Markt jeden Donnerstag: Hier sei immer etwas los, findet Katharina Behrends. Leider schaffe sie es viel zu selten auf den Markt, weil sie tagsüber ja arbeite. Sie empfiehlt mir den Kuchenstand, der die besten Kuchen von ganz München habe. Hier bekomme man auch Grünkohl, den es in München nicht so häufig gibt, sie aber als Niedersächsin wahnsinnig gern esse. Das Restaurant „Gandl“ gegenüber könne sie besonders im Sommer empfehlen, wenn sie den Platz bestuhlen und man dort essen kann.

Liebig Buchhandlung

Katharina Behrends veranstaltet einmal im Monat zusammen mit Freundinnen einen kleinen privaten Lesekreis. Wer sich nicht vorbereitet und das gemeinsam ausgewählte Buch nicht gelesen hat, müsse der Literaturrunde eine Flasche Schampus spendieren. Diese Treffen seien ihr sehr wichtig und die Bücher kaufe sie am liebsten in der Liebig Buchhandlung. Hier entdecke sie immer wieder ganz besondere Romane. Katharina Behrends hofft, dass Läden wie dieser der Gentrifizierung standhalten können. Da in ihrem Literaturzirkel sehr unterschiedliche Bücher besprochen werden, sei sie manchmal gezwungen, Bücher zu lesen, die sie sonst eigentlich nicht lesen würde. „Ich beschäftigte mich dann oft mit mir fremden Themen, was mir wiederum sehr guttut, um Abstand von der Medienwelt zu bekommen.“ Ich bin erstaunt, dass ein Mensch, der sich so viel in der digitalen Welt bewegt, nicht auf dem Kindle oder iPad liest. „Ich bin ein haptischer Mensch. Ich muss beim Lesen ein Buch fühlen können. Und ich mag den Geruch neuer Bücher.“ Findet sie denn immer die Zeit zum Lesen? „Ich fürchte, ich bin die, die am häufigsten Champagner mitbringt“, entgegnet sie lachend.

»Frauen sollten sich weniger infrage stellen«

Widenmayerstraße an der Isar

Wir schlendern an der Isar entlang zur Luitpoldbrücke. Mit ihren edlen Samtstiefeletten und dem schicken Mantel ist die hochgewachsene Katharina Behrends eine Augenweide. Wir kommen auf ihre Zeit bei MTV zu sprechen, wo sie zuvor viele Jahre im Business Development gearbeitet hat. Ich frage sie, warum die MTV-Ära so kläglich enden musste? „Die Medienlandschaft verändert sich ja ständig. Also muss man sich darin eigentlich permanent neu erfinden, um den Anschluss nicht zu verlieren. MTV hat damals den Zug verpasst und ruhte sich zu lang auf seinen Klingelton-Abonnements aus. Für mich ein guter Reminder, dass man nie stehen bleiben darf.“ Wie kommt man eigentlich als Juristin zu einem Job beim Fernsehen? Weil ihre erste Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei sie nicht erfüllte, suchte Katharina Behrends einen Kontrast und landete in der Fußballredaktion von „ran“. Dort packte sie dann das Medienfieber. Medienrecht war zu dieser Zeit noch ein relativ neues Terrain, das sie sehr spannend fand. So begann sie, bei Premiere zu arbeiten, später dann bei MTV. „Damals schrieb ich Gutachten, war in Vertragsverhandlungen involviert und ich konnte mein Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen, auch wenn die Verantwortung woanders lag. Aber man erkannte mein Talent und ich habe mir einfach irgendwann gesagt: ,So, jetzt kann ich aber auch Chefin sein.‘ Und das wurde ich dann auch.“ Für dieses Durchsetzungsvermögen beneiden sie bestimmt viele Frauen. Katharina Beh-rends ist sich sicher, dass man das aber erlernen kann. Ihre Schwester ist ebenfalls Juristin und Geschäftsführerin bei einem Bollywood-Sender. Ihr Vater habe sie beide so erzogen, mit Selbstverständnis für die Dinge einzustehen, die sie wollen. „Frauen liegt es leider nicht, klar zu formulieren: ,Das möchte ich! Das kann ich!‘ Meine Erfahrung als Arbeitgeberin ist die, dass Frauen meistens fokussierter und fleißiger arbeiten als ihre männlichen Kollegen, aber oft ihr Licht unter den Scheffel stellen. Sie trauen sich beispielsweise nicht, eine Gehaltserhöhung zu fordern. Frauen sollten sich weniger infrage stellen.“ Sie sagt diese Dinge mit einer bewundernswerten Leichtigkeit, von der frau sich wirklich eine Scheibe abschneiden kann.

Sammlung Schack, Prinzregentenstraße

Katharina Behrends schwärmt von dem klassizistischen Gebäude und den Räumen, die erst vor Kurzem renoviert wurden. Darin befand sich früher einmal die „Bayerische Staatskanzlei“, bevor sie in den Hofgarten zog. Die Sammlung verfügt über romantische Malerei aus dem 19. Jahrhundert von Arnold Böcklin über Anselm Feuerbach und Carl Spitzweg. Ich hatte zuvor noch nie davon gehört, obwohl ich recht kunstinteressiert bin. Eigentlich ist die ganze Prinzregentenstraße auf dieser Isarseite voller historischer Gebäude, an denen man immer nur vorbeifährt, ihnen aber zu wenig Beachtung schenkt. Leider hat das Museum heute geschlossen, sonst hätten wir es besichtigt.

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Wir kommen auf die #MeToo-Debatte zu sprechen, da Katharina Behrends in einer männerdominierten Branche arbeitet. Ich frage sie, ob sie jemals etwas in die Richtung erlebt habe. Sie verneint: „Ich frage mich, ob das vielleicht an meinem selbstbewussten Auftreten liegt. Allerdings arbeite ich auch seit vielen Jahren für Unternehmen, in denen Frauen in Führungspositionen längst selbstverständlich sind.“ Als großer Kinofan möchte ich natürlich wissen, wie ihr die Universal-Studios gefallen, wenn sie beruflich in Hollywood ist? „Großartig!“, strahlt sie. „Dort ist es ganz normal, dass dir ständig irgendein Star begegnet. Und diese riesigen Hallen! In der Requisitenhalle gibt es beispielsweise eine gigantische Wand, an der nur Telefone aus allen Jahrzehnten hängen oder eine mit künstlichem Essen, das extrem echt aussieht.“

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Fräulein Grüneis

Fräulein Grüneis ist ein schnuckeliger Kiosk am Eisbach, der im Sommer sehr beliebt ist, aber auch im Winter seinen Charme hat. Wir betreten das Häuschen, im Ofen neben der Bar prasselt ein kleines Feuer. Wir wärmen uns kurz auf. Katharina Behrends geht hier sehr gern hin. Ich möchte noch mehr über Hollywood erfahren. Gerade bei dem kalten Wetter träumt man sich besonders gern in warme Gefilde. Sie beginnt von den „LA Screenings“ zu schwärmen, die immer im Frühsommer stattfinden. „Dort werden die weltweit neusten Serien der wichtigsten Filmstudios gezeigt. Das macht wirklich Spaß zwei Wochen lang von morgens bis abends nur brandneue Serien zu sehen. Danach wird dann entschieden, welche Formate wir für unsere Programme kaufen. Bisher hatten wir dafür immer ein recht gutes Gespür.“ Ein großer Trend auf dem Markt, so verrät sie, sind sogenannte „True Crime“-Serien, in denen echte Kriminalfälle wie der von O.J. Simpson oder die Menendez Morde – was wir zeigen werden – nacherzählt werden. Lehren Plattformen wie Netflix oder Amazon die Privatsendern das Fürchten? „Sicher sind das neue Konkurrenten um die Gunst der Zuschauer, aber man muss alles in der Relation sehen: Die hohen Zuschauerzahlen, die das sogenannte „lineare“ Fernsehen in den jeweiligen Ländern erreicht, davon kann Netflix nur träumen. Gute US-Serien gab es auch schon früher, aber die Vielfalt ist größer geworden.“

Sammlung Goetz, Haus der Kunst

Katharina Behrends würde mir so gern noch viel mehr in ihrer Gegend zeigen, zum Beispiel das Yogastudio von Patrick Broome in der in der Robert-Koch-Straße, das sie jede Woche besucht. Bewe-gung wie Wandern, Pilates oder eben Yoga schaffe den notwendigen Ausgleich in ihrem Leben. Leider wartet schon der nächste Termin auf sie. Somit muss das Haus der Kunst die finale Destination unseres Spaziergangs sein. Im Luftschutzbunker des Museums werden seit 2011 Teile der Videokunst-Sammlung von Ingvild Goetz gezeigt. Katharina Behrends sucht die Ausstellungen der Sammlung regelmäßig auf, weil sie sich sehr für Videokunst interessiert. Das Bewegtbild liegt ihr einfach. Im Sommer geht sie gern auf einen Sundowner auf die Terrasse der Goldenen Bar, auf der Rückseite des Gebäudes. Ja, im Sommer ist München schon definitiv einladender. Katharina Behrends findet, hier sei München großstädtisch. Das Haus der Kunst mit seiner speziellen Geschichte und im Kon-trast dazu die Bar seien schon etwas Besonderes, das findet man nicht überall. Das gefalle ihr besonders gut an dieser Ecke. So sehr sie München möge, so wenig könnte sie immer nur hier sein. Sie brauche auch den frischen Wind anderer Metropolen. Zum Abschied frage ich sie noch nach ihrem Traumprojekt. Sie grinst verschmitzt: „Ja, das wird jetzt gerade umgesetzt, aber ich kann leider noch nicht darüber reden. Aber es wird außergewöhnlich.“ Da bin ich mir sicher.

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erstellt am: 14.04.2018

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Annekatrin Meyers

Journalistin

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