w  8333 sw 1024x779 - Faust aufs Auge

Liebe und Hass liegen oft so nah beieinander wie Glück und Leid oder wie im Falle des „Faust“ Gut und Böse. Antagonismen prägen unser Leben, literarisch wie privat.

Goethes Drama ist aktueller denn je. Deshalb wurde das Münchner Faust-Festival ins Leben gerufen, bei dem sich über 1.000 kuturelle Institutionen mit dem Thema auseinandersetzen. Und deshalb passt die Doppelskulptur der Künstlerin Mia Florentine Weiss, die anlässlich des Festivals am Siegestor aufgestellt wurde, wie die Faust aufs Auge: Direkt vor dem Durchgang des Tores stehen in meterhohen Lettern zwei identische Skulpturen aus Kortenstahl.

Je nachdem, von welcher Seite man sich den Skulpturen zuwendet, wird man das Wort LOVE oder HATE lesen können. Es handelt sich hierbei um ein Ambigramm, ein Wort, das gespiegelt ein anderes Wort ergibt, und sich in das Münchner Stadtbild einfügt, als sei es schon immer dort gestanden. Der 1850 zu Ehren des deutschen Heeres errichtete Siegestor wurde nach dem Zweiten Weltkrieg um eine zusätzliche Inschrift erweitert: „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“. Was im Hass begann, soll in Liebe enden.

Wie vortrefflich modern doch diese skulpturale Erweiterung den Nerv unserer Zeit trifft, in der die beiden menschlichsten aller Gefühle nach wie vor im Wettstreit miteinander liegen. Mit ihrer Skulptur gelang es Mia Florentine Weiss zum ersten Mal in der Geschichte der Landeshauptstadt, ein Kunstprojekt an diesem geschichtsträchtigen Tor zu ermöglichen. Die deutsche Performance- und Konzeptkünstlerin beschäftigt sich schon ihr halbes Leben mit der Dialektik der menschlichen Emotionen und der Kraft symbolisch aufgeladener Bilder und Texte. Kern ihrer Arbeit ist dabei die immer wiederkehrende Frage, was eines jeden Menschen Schutzraum ist. Von der These ausgehend, dass wir uns alle eigentlich immer nur nach der Geborgenheit des Uterus zurücksehnen, reist die in Berlin lebende Künstlerin zu Brennpunkten auf der Welt, um Menschen zu begegnen, die jeglichen Schutz verloren haben.

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Mit konsequenter Unbeirrbarkeit setzt sie diese Erfahrungen in Filmen, Performances, Bildern und zuletzt in einer Skulptur vor dem deutschen Reichstag in einer weiteren Ambigram-Skulptur NOW WON um. LOVE HATE, ähnlich wie es nun in München zu finden ist, hat bereits seit 2015 in der Frankfurter Senckenberganlage seinen festen Platz gefunden. Zwei essenzielle gegensätzliche Gefühle wie Liebe und Hass sind ebenso Thema ihrer Arbeiten wie Krieg und Frieden und somit auch im faustischen Sinne der große Stoff des Lebenssinns. Das Siegestor wird thematisch mit seinem Ursprung konfrontiert: LOVE und HATE vereint mit der Geschichte von Krieg und Frieden. „Es wird im metaphorischen Sinne zum Eingang durch die Hölle in den Himmel. Zwei Skulpturen stehen jeweils mit der LOVE-Seite nach außen gekehrt in der Verlängerung des Tores, damit die jeweilige Rückseite – der Hass – eingekesselt wird. Er bleibt im Inneren der Schatten einer schrecklichen Vergangenheit, die wir besiegt haben und gegen die weiterhin ankämpfen – so wie Faust gegen Mephisto“, erklärt Mia Florentine Weiss.

Die Skulpturen bilden das externe Œuvre ihrer eindringlichen Werkschau „Memento Mori Munich – Das Faustische in uns“, die bis zum Ende des Faust-Festivals im Communication Highway bei Hubert Burda Media präsentiert wird. Bis dahin wird auch die LOVE HATE-Skulptur ein symbiotisches Bild mit dem Triumphbogen eingehen. „Weiss‘ Skulptur ist inmitten des Münchner Stadtbilds, in der Nähe zur Akademie der Bildenden Künste, eine Bereicherung mit Erkenntnisgewinn“ sagt Dr. Thomas Girst, Leiter Kulturengagement der BMW Group, der die Ausstellung von Mia Florentine Weiss gemeinsam mit Kuratorin Mon Muellerschoen und Dr. Hubart Burda eröffnet hatte.

Wir wünschen uns insgeheim, dass München die Skulptur am Siegestor permanent erhalten bleiben wird.

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„Memento Mori Munich – Das Faustische in uns“
von Mia-Florentine Weiss
Hubert Burda Media – Communication Highway
Mehr Informationen zur Künstlerin:
mia-florentine-weiss.com

 

Das Faust-Festival München 2018 lädt neben den großen Münchner Kulturinstitutionen insbesondere auch die kleineren Häuser, Künstler aller Genres, die Off-Szene, Profis und Laien dazu ein, sich künstlerisch mit „Faust“ auseinanderzusetzen und ihre Interprationen sowohl in München als auch im Umland zu präsentieren. Unter der Prämisse: „Faust“ von allen für alle wird das Stück mit allen Sinnen erlebbar gemacht. Somit dürfen Partner aus Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie nicht fehlen. Das Faust-Festival München 2018 ist eine Initiative der Kunsthalle München und des Gasteig und findet vom 23. Februar bis 29. Juli 2018 statt.

erstellt am: 23.04.2018

annekatrin meyers 1024x1024 - Faust aufs Auge

Annekatrin Meyers

Journalistin

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