illu essay 1 - Das Stille Lied

„Nüchtern bin ich so schüchtern“ singt Ballermann-Barde Peter Wackel in seinem Mallorca-Hit. Obwohl das Lied eine Aufforderung zum hemmungslosen Besäufnis ist, thematisiert es auch unterschwellig eine Eigenschaft, unter der man richtig leiden kann. Wer sich in bestimmten gesellschaftlichen Situationen nicht so offen und locker geben kann, wie es von ihm erwartet wird, der wird schnell zum Sonderling abgestempelt. Bei beruflichen Anlässen kann dies einem ziemlich im Wege stehen. Denn derjenige, der am lautesten schreit, wird oft am meisten gehört. Während der eine seine Energie aus großen Runden zieht, ermüdet es den anderen, mit Fremden in Kontakt zu treten und sich zu profilieren. So geht es mir zumindest – ganz schlecht in einer Branche, in der man ständig zu Events eingeladen wird, um zu netzwerken.

Ich liebe meinen Beruf als Autorin und Filmemacherin und spreche auch gern darüber. Wenn es aber darum geht, für meine Sache die Werbetrommel zu rühren, bin ich schlichtweg eine Niete. Ich kann mich einfach nicht gut verkaufen, weil ich zu schüchtern bin. Ich tue lieber das, was ich liebe, anstatt darüber zu sprechen. Nicht ganz neidlos blicke ich auf Freunde, Bekannte oder Kollegen, die auf Meetings ihre Fäden spinnen und sich selbst in so einem guten Licht darstellen, dass ihre Projekte einfach Erfolg haben müssen. In solchen Small-Talk-Situationen zu „performen“, dafür muss man schon gemacht sein. Meistens steht dir da jemand gegenüber, der gerade noch so ein „Und was machen Sie so?“ hervorbringt. Dabei huscht der Blick an dir vorbei, hinein in die Menge, in der jemand Wichtigeres für ihn warten könnte. Tut mir leid, aber ich kann dann nicht von meinen tollen Projekten erzählen und mich extra ins Zeug legen. Ich werde dann still und möchte mich am liebsten in eine Höhle verkriechen. Mir sind solche Situationen einfach nur unangenehm. Dabei ist mein Verhalten eine ganz natürliche Reaktion auf eine Geringschätzung meiner Person. In einer Welt voller Selbstdarstellung wird dieser Wunsch nach Rückzug jedoch häufig als Manko verstanden. Weshalb wer welchen Auftrag bekommt, wird nicht immer nach Talent entschieden, sondern danach, wer sich am auffallendsten in Szene setzt.

Nun ist der Anlass meines Textes aber nicht der, mich über den Geist der Zeit zu beschweren. Die Dinge sind eben mal so, wie sie sind. Ich möchte all die Schüchternen, Bescheidenen und aus der Zeit Gefallenen ermutigen, ihr introvertiertes Wesen als eine Tugend zu betrachten und sie zu nutzen. In lauten Zeiten erklingen die leisen Töne besonders schön: Sie füllen Nischen, sind bunter und vielleicht sogar beständiger als der Mainstream, der immer nach neuem Aufsehen schreit. Es gibt so viele, die auch keine Lust haben, auf dem Parkett der Eitelkeiten zu tanzen. Also, bildet Euer eigenes Spinnennetz mit Euresgleichen! Gerade dieses etwas Entrückte, Mystische hat eine besonders starke Anziehungskraft. Wäre die subtile Lady Diana eine Rampensau gewesen, wäre sie sicher nicht zu so einem Mythos geworden. Introvertiertheit ist nicht nur Quelle für eine innere Kraft, sondern auch eine Zierde. Mit ihrer zurückhaltenden Art gelten bis heute Geishas als Meisterinnen der Konversation. Aus kleinen Gesten und zarten Andeutungen kreieren sie ein ein leises Geheimnis, das etwas sehr Verführerisches hat. In der westlichen Welt hat man die Anziehungskraft des Hintergründigen wohl ein bisschen vergessen – was nicht heißt, dass es zu spät sei, sie wieder aufblühen zu lassen.

In den Momenten, in denen ich mir wünsche, tougher zu sein, um besser mit dem Wettbewerb mithalten zu können, frage ich mich, ob ich wirklich anders sein könnte oder möchte. Eigentlich ist es doch ein Geschenk zu spüren, wann ich mein Inneres behüten soll. Die Seele kann so schnell mal unter die Räder kommen. Da ist es gar nicht so schlecht, eine Art inneren Alarm zu haben. Im großen Rauschen der Massen hören viele ihre eigene Stimme nicht mehr, dabei ist sie so wichtig: Am besten bin ich immer, wenn es um mich still ist und keiner irgendetwas von mir will. Dann weiß ich, was zu tun ist. Ich verbiege mich nicht mehr in Gesellschaft, bin schüchtern, wenn mir danach ist, aber auch offen, wenn es sich richtig anfühlt. Ich halte mich ganz einfach an Gleichgesinnte aus der erlauchten Nische der Zaudernden und Bedachtsamen – und pfeife auf die anderen. Da fällt mir noch ein Lied ein, eines meiner Lieblingslieder: „Und ich mach’ mein Ding“, singt Udo Lindenberg, „egal, was die anderen sagen.“

erstellt am: 02.12.2017

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Annekatrin Meyers

Journalistin

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