robert brembeck 1024x770 - Das Leben ist voller Themen wie Liebe und Schönheit

Karl Alfred Schreiner ist seit 2012 Ballettdirektor des Staatstheaters am Gärtnerplatz, das im Oktober nach jahrelanger Umbauzeit neu eröffnet wurde. Letzten Dezember haben wir ihn vor der Premiere des Weihnachtsklassikers „Der Nussknacker“ haben wir ihn auf ein Getränk getroffen, genau genommen 30 Minuten vor der zweiten Hauptprobe – und trotz knapper Zeit viel über den Künstler und Menschen Karl Schreiner erfahren. (Aufnahmen von den Proben zu der „Nussknacker“ von Dominik Kraushofer)

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Herr Schreiner, Pjotr Tschaikowskys „Der Nussknacker“ ist eines der beliebtesten klassischen Ballettstücke der Welt. Was sind die Herausforderungen, ein so populäres Stück zu inszenieren?
Ich sage es mal so: Das ist ein bisschen so wie in Wien Sachertorte zu backen oder in Neapel eine Penne Arrabiata zu kochen. Jeder, der sich mit Ballett auseinandersetzt, kennt den „Nussknacker“ und hat eine bestimmte Vorstellung davon. So einen großen Klassiker neu zu verpacken und inhaltlich mit etwas Neuem auszufüllen, ist nicht einfach. Von der ersten Konzeption bis zur Premiere haben wir eineinhalb Jahre an diesem Stück gearbeitet. Eigentlich ist es ja schön, dass man beim Theater eine Idee in kürzester Zeit umsetzen kann, darin liegt aber auch die Herausforderung. In meiner Position habe ich mit sehr vielen Menschen zu tun, die alle an einem Projekt arbeiten: vom Elektrotechniker über Soloviolisten bis hin zum Schuhmacher. Jeder ist auf eine Sache spezialisiert und alle gilt es zu vereinen. Man muss also in einem relativ knappen Zeitraum eine sehr komplexe Kunstform realisieren.

Sie haben an der Ballettschule der Wiener Staatsoper Tanz studiert und sowohl als Tänzer als auch als Choreograf viel in Österreich gearbeitet. Worin unterscheidet sich die Münchner Ballettwelt zum Beispiel von der Wiens?
Ich kann eher über die Gleichheiten beider Städte sprechen als über die Unterschiede: Die Bandbreite sowohl an Publikum als auch an kulturellem Angebot ist ähnlich groß. Da hat man den konservativen Operngänger auf der einen und den Gast aus der alternativen Undergroundszene auf der anderen Seite. Sowohl München als auch Wien verfügt über ein äußerst vielseitiges kulturelles Angebot: von den Kammerspielen bis zur Staatsoper, vom Filmfestival bis zur alternativen Tanztendenz. Diese Vielfalt ist eine große Gemeinsamkeit beider Städte. Eine Stadt ist lebendig und schön, wenn sie nicht nur eine Schicht anspricht ,sondern viele kreative Nischen bedient. Und München ist diesbezüglich verkannt. Es hat den Ruf, ein bisschen konservativ zu sein, aber ich habe extrem viele Münchner getroffen, die es ganz und gar nicht sind. Dieses Image ist wahrscheinlich durch eine konservative Schickeria geprägt worden, die nach außen sehr präsent auftritt.

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Das Gärtnerplatztheater gilt als das Haus in München für jüngeres Ballettpublikum. Wollen Sie mit Ihrem Choreografie-Stil einen Kontrast zur eher klassisch orientierten Staatsoper bilden?
Natürlich richtet man sich immer auch ein bisschen nach dem Thema und den Gegebenheiten einer Bühne, aber im Großen und Ganzen versuche ich in meiner Programmation immer das umzusetzen, was ich spannend und für diese Stadt relevant finde. Dafür bin ich ja auch berufen worden. Entweder man macht das, was man ist und mag, oder man lässt es bleiben.

Gibt es ein Herzensprojekt, das Sie gerne machen würden?
Ja … ein Kind. Ich weiß, Sie wollten jetzt von mir hören, welche Stücke ich noch inszenieren möchte, aber ich glaube, ein Sohn oder eine Tochter, das wäre die ultimative Kreation.

Würden Sie Ihrem Kind eine Balletterziehung angedeihen lassen?
Das ist eine harte Frage. Sagen wir so, ich würde es nicht fördern, dass es diese Richtung einschlagen würde. Wenn das Kind aber so ein Sturschädel ist, wie ich es selbst bin … Ich habe meine Ballettausbildung ja auch gegen den Willen meiner Eltern durchgesetzt. Ich komme vom Land bei Salzburg und mit acht Jahren zu äußern, dass ich ab jetzt gern Strumpfhosen anziehen und mit den Mädels im Ballettsaal zu klassischer Musik rumhüpfen möchte, war nicht unbedingt das, was deine Schulkollegen und Nachbarskinder cool finden. Das änderte sich zwar später, als ich dann an der Wiener Staatsoper war, aber am Anfang ist es definitiv nicht leicht gewesen. Tänzer zu sein, ist einfach ein absolut harter Beruf. Es gibt ganz wenige Menschen, die, wie ich, das Glück hatten, diesen Weg weitergehen zu können. Als Maler kann man seine Farben wegschütten, als Musiker sein Instrument beiseite legen, aber ich bin ich. Meinen Beruf von mir selbst zu trennen, ist eigentlich unmöglich – vor allem als Teenager. Du bist einfach noch kein fertiger Mensch, wenn du mit 18 Jahren zu einer Audition gehst. Dort bist du dann eine Nummer mit 850 Leuten und es kann passieren, dass du nicht einmal die Gelegenheit bekommst, vorzutanzen. Für ein Stück nicht ausgewählt worden zu sein, obwohl du als Tänzer genauso hart gearbeitet hast wie jeder andere, das sind emotionale und psychische Konfrontationen, denen du als junger Mensch schwer gewachsen sein kannst. Da kann schnell das Gefühl entstehen, „Du bist nichts wert“, was natürlich Unsinn ist.

Wie haben Sie das durchgehalten?
Ich glaube, dass bei mir einfach der Antrieb so groß war, dass ich auch in einem kleinen unbedeutenden Haus getanzt hätte, einfach, weil ich unbedingt tanzen wollte. Letztendlich hatte ich aber Glück gehabt.

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Warum hat Ballett so ein verstaubtes Image?
Beim klassischen Ballett denken eben viele an Tutus und Mütter, die durch ihre Töchter unerfüllte Träume ausleben. Aber bei modernem Tanz ist das anders. Mit unserer Dance-Soap „Minute Made“ vor einigen Jahren haben wir zum Beispiel ganz junge Leute angesprochen und auch Menschen, die normalerweise gar nicht ins Ballett gehen. Ich glaube, dass es sehr viele Leute gibt, die noch nie in ihrem Leben in einer Lesung waren, aber eine ganz klare Vorstellung davon haben, dass so eine Veranstaltung langweilig sein muss. Wenn sie aber in eine Lesung von Peter Turrini oder dergleichen gehen würden, dann wären sie überrascht, wie lustig und spannend es sein kann. Ich glaube, im Ballett ist es genauso. Ich bin mir sicher, dass viele Leute das Ballett sehr mögen würden, wenn sie ihre Vorurteile über Bord werfen würden.

Was ist Ihr persönlicher Anspruch an Ballett?
Den Menschen zu vermitteln, dass es nicht immer nur um Materielles geht. Deshalb mache ich auch gern Stücke, die ebenso für Kinder geeignet sind. Es ist ein ganz tolles Gefühl, wenn du ein Projekt ins Leben rufst und dann beobachtest, wie Kinder mit leuchtenden Augen im Zuschauerraum aufgeregt alles auf der Bühne verfolgen. Es ist ein sehr wichtiger Aspekt von Kultur, Bildung und Theater, jungen Menschen zu verdeutlichen, dass eine Gesellschaft nicht nur auf Effizienz aufgebaut sein kann, dass das Leben voller Themen steckt, die nicht monetär messbar sind – Werte wie Ethik, Liebe, das Schöne. Dies erfährt man eben, wenn man in jungen Jahren zum Beispiel in ein Ballett geht und lernt, dass es Dinge gibt, die ich nicht in Worte packen kann, aber ich kann sie trotzdem empfinden.

tanzen - Das Leben ist voller Themen wie Liebe und Schönheit

erstellt am: 30.01.2018

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Annekatrin Meyers

Journalistin

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