Peter Lindbergh Models - PETER UND DIE FRAUEN

Hast du Lust für eine Woche auf eine Produktion von Peter Lindbergh zu fahren? Er fotografiert an seinem Lieblingsstrand im Norden Frankreichs. Ich kann leider nicht, und ich dachte, du hättest vielleicht Zeit der Stylistin zu assistieren?« Zeit hatte ich eigentlich nicht, ich hatte Urlaub mit meiner Familie gebucht, aber … Peter Lindbergh! Das, was mir meine Freundin in ihrem Anruf im Spätsommer 2011 anbot, war ein Traum. Wenn ich ein künstlerisches Vorbild hatte, dann ihn. Ich rief meine Eltern an, bat um Verständnis für die Umbuchung des Urlaubs –Peter Lindbergh! Den kannte sogar mein Vater – »Das ist doch der, der unten in deinem Kinderzimmer hängt«. Als Teenager habe ich die Zeitschrift „Topmodel“ gesammelt, die den Supermodels der 80-er und 90-er Jahre jeweils eine ganze Ausgabe widmete: Kate Moss, Linda Evangelista, Christy Turlington. Und fast alle Bilder darin waren die ikonenhaften Aufnahmen von Peter Lindbergh, mit denen er die Ära der Supermodels begründete. Wer kennt sie nicht, die Bilder von einer Gruppe der schönsten Frauen der Welt, die sich necken und lachen oder cool in die Kamera posen? Immer schwarz-weiß, und immer natürlich schön. Diese Bilder prägten das Frauenbild meiner Generation, mein Favorit: Lindberghs Foto des Models Amber Valetta in New York in einem weißen Männer-Outfit mit Engelsflügeln. So steht sie da, lässig und selbstverständlich, ihr Blick herausfordernd. Ein Victorias Secret Engel ist dagegen nur eine aufgewärmte Männerfantasie. Diese Frauen waren selbstbestimmt, sexy, ohne viel Haut zu zeigen, spielten mit männlichen Rollenbildern und waren vor allem eins: verletzlich und stark.

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Ich hatte den Urlaub umbuchen können und stand ein paar Wochen später wirklich am Strand neben Peter – im Team duzt man sich. Und hatte Zeit, ihn bei der Arbeit zu beobachten, weil man als Stylingassistent nicht allzu viel bei ihm zu tun hat. Peter will am liebsten immer nur den einen Mantel, das eine Hemd, das eine Shirt. Mode ist für ihn Mittel zum Zweck, ihm geht es um die Person. Und da bemerkte ich etwas, was ich noch nie bei einem anderen Fotografen so gesehen hatte. Eine tiefe ehrliche Begeisterung für sein Model. Jahrzehnte schon fotografiert er die schönsten Frauen der Welt, und doch wird er nie müde, ihnen etwas zu entlocken, was ein Foto zu einem Lindbergh-Foto macht. Am Anfang unseres Shootings wirkten die Mädchen immer etwas eingeschüchtert durch dem großen Namen des Mannes, mit dem sie arbeiteten, nach einer Weile mit Peter und seiner Kamera jedoch blühten sie auf und wurden zu seiner Muse. Eine Art Tanz zwischen Meister und Muse entstand, das Team und die Umgebung wurden nebensächlich – und dabei tritt etwas zum Vorschein, was das Model wohl sonst nie offenbart hatte. Ein Model musste sogar weinen, weil sie das Gefühl hatte, man blicke ihr in die Seele. Das war sehr berührend. Diese Momente, in denen das Model seine Fassade verliert und sie selbst wird, das ist der Moment wahrer Schönheit, das ist der Moment, in dem Peter abdrückt. Wie er das macht? Ich glaube, Peter ist verliebt in die Schönheit. Sie nährt ihn und macht ihn zu dem großen Künstler, der er ist. Während der Umbauzeiten am Meer fotografierte Peter immer weiter, alles und jeden, das ihm gefiel. Vielleicht blickt er auf die Dinge wie ein Kind, das zum ersten Mal etwas Schönes sieht? Der Rest bleibt sein Geheimnis. Jetzt dürfen wir uns auf eine große Retrospektive von Peter Lindbergh freuen. Ab 13. April zeigt die Kunsthalle München 250 Objekte aus Lindberghs Werk, inklusive Filmen und bisher unveröffentlichtem Material wie Storyboards, Requisiten, Polaroids und Kontaktböden.

Annekatrin Meyers

Peter Lindbergh. From Fashion to Reality: 13. April – 27. August 2017
Kunsthalle München, Theatinerstr. 8, 80333 München www.kunsthalle-muc.de
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Credits:

White Shirts: Estelle Léfebure, Karen Alexander, Rachel Williams, Linda Evangelista, Tatjana Patitz & Christy Turlington, Malibu, 1988 © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)

Kate Moss, Paris, 2014
Vogue Italia © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)
Giorgio Armani, S/S 2015

Kate Moss, 1994
Harper’s Bazaar © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)

Peter Lindbergh, London, 2016 © Stefan Rappo

erstellt am: 15.03.2017

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