beispiel - »KEINE TRICKS«

Die Portugiesin Ana Relvão und der Deutsche Gerhardt Kellermann haben vor einigen Jahren in München das Designerteam Relvão Kellermann gegründet – mittlerweile entwerfen sie Möbel für internationale Firmen wie Bulthaup oder Schönbuch.

Wie haben Sie sich kennengelernt?
Ana Relvão: 2011 arbeiteten wir beide in unterschiedlichen Designbüros in München – Gerry im Studio von Nitzan Cohen und ich bei Stefan Diez. Die Designszene in München ist sehr eng verbunden und häufig treffen sich die Teams befreundeter Büros zum Gedankenaustausch und Socializing nach Feierabend. Da gerade Oktoberfest war, fand dieses Treffen dort statt. Wir haben uns also – wie so typisch für München – auf dem Oktoberfest kennengelernt. Wir haben an dem Abend nicht wirklich miteinander gesprochen, aber wurden irgendwie neugierig auf den anderen und wenig später verliebten wir uns dann ineinander.

Und wie ergänzen Sie sich im Job?
Wir haben beide sehr ähnliche Ideen von Design, Gesellschaft und Politik, aber auch über das Leben an sich. Allerdings haben wir unterschiedliche Stärken und Herangehensweisen. Gerry ist ein sehr visueller Typ. Er hat eine starke Auffassungsgabe, ist ein begabter Fotograf und interessiert sich sehr für seine Umgebung und die Dinge an sich. Bei Gerry wird jede Idee sofort visualisiert. Ich wiederum arbeite meist zunächst theoretisch, liebe es Dinge zu analysieren und auch aus einer psychologischen Sicht zu betrachten. Dazu gehört es auch, viel zu lesen und zu recherchieren. Mehr als die Objekte an sich interessieren mich allerdings die Menschen und ihre Interaktion mit den Dingen, die wir gestalten. Gleichzeitig ist es Gerry, der sehr gut mit Menschen umgehen und deren Bedürfnisse erkennen kann.

Gibt es einen Unterschied in dem, wie deutsche und portugiesische Designer arbeiten?
Trotz oder vielleicht wegen der wirtschaftlichen Krise im Land durchlebt Portugal gerade eine sehr spannende Phase. Vor allem Produktionsstätten und Unternehmen, die hohe Qualität bieten und auch in kleineren Stückzahlen produzieren, können sich halten und sogar teilweise Wachstum verzeichnen. Hohe Qualität, kleine Stückzahlen und ein angemessener Preis sind natürlich für uns Designer sehr wichtig bei der Auswahl von Produktionsstätten. Aber auch die Gestaltung in Deutschland verändert sich: Es entsteht gerade eine Generation von Designern, Marken und Unternehmen, die eher kleine, lokale Geschäftsinteressen haben als internationale. Viele dieser Designer haben einen Industrie-Background. Industriedesign ist mehr in der deutschen Kultur verankert als in der portugiesischen. Dies spürt man auch in den Entwürfen aus beiden Ländern.

Hat München Einfluss auf Ihre Arbeit?
München ist eine sehr organisierte Stadt, und die Lebensqualität ist ziemlich gut. Die Leute scheinen mit ihren Leben zufrieden zu sein, und ich finde, das ist perfekt, um konzentriert arbeiten zu können.

Dann ist es ein guter Ort für kreative Arbeit?
Die Stadt verfügt über viele erfolgreiche Designer, die großartige Dinge produzieren. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind sichtbar und eine enorme Motivation für jeden. Wie immer, wenn jemand neben dir etwas Tolles macht: Es motiviert dich, mit ihm gleichzuziehen. Leider ist die kulturelle Szene, beispielsweise in zeitgenössischer Kunst und Musik, nicht gerade spektakulär. Wir reisen viel, damit wir inspiriert und kreativ bleiben.

Haben Sie ein Lieblingsgebäude in München?
Ja, da gibt es ein Gebäude, das wir beide sehr mögen – hauptsächlich wegen der charakteristischen Architektur und der außergewöhnlichen Konstruktion. Es ist der HVB Tower. Was für ein unglaubliches Monument! Diese riesigen silbernen Säulen ragen buchstäblich aus der typischen Münchner Architektur heraus.

Noch eine letzte Frage: Was ist Ihre größte tägliche Herausforderung als Designer?
Design wird häufig mit Styling verwechselt oder falsch verstanden. Oft kommen Kunden erst in einem sehr späten Stadium der Produktentwicklung zu uns und wollen dann wissen, wie das Produkt unserer Meinung nach aussehen sollte. Natürlich geht auch das, Styling ist schließlich ein Teil des Designprozesses. Für den Erfolg des Produktes wäre es aber zielführender, wenn wir von Anfang an, ab der Analyse- und Konzeptionsphase des Produktes, in die Entwicklung eingebunden wären. Wenn man von Anfang an überlegt, wie ein Produkt funktionieren und was es leisten soll, entsteht die Form fast von allein.

 

Beispiel
Beispiel3
Beispiel2

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Ana Relvão und Gerhardt Kellermann leiten seit 2014 gemeinsam ihr Designbüro „relvaokellermann“ in München.

 

erstellt am: 17.03.2017

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