BERGAB NACH OBEN - rush4
Skifoto Bene - BERGAB NACH OBEN

Am Abend seines großen Erfolgs hat Bene Mayr die Spülmaschine eingeräumt. Er stand in Innsbruck hinter der Theke einer Bar, die er mit Freunden betreibt, als einer der Gäste ihm gratulierte zum Sieg. Mayr hat als Skifahrer bei den Olympischen Spielen in Sotchi teilgenommen, aber seinen meistbeachteten TV-Auftritt absolvierte er nicht in Skistiefeln, sondern in einem Michael-Jackson-Kostüm. Mayr im Oktober letzten Jahres die Sendung „Dance, Dance, Dance“ bei RTL gewonnen zusammen mit seinem Freund Philipp Boy, dem Olympiaturner. An sechs Abenden um 20.15 Uhr, also zur besten Sendezeit und vor einem Millionenpublikum, tanzte sich Mayr ins Finale und gewann dort gegen den Dschungelkönig Menderes Bagci und dessen Tanzpartnerin.

RTL, Dschungelkönig, Tanzsendung – das sind Eckpunkte, aus denen man in Deutschland heutzutage eine Karriere zusammenschustern kann, wenn man schmerzfrei ist und um jeden Preis ins Fernsehen will. Bene Mayr ist definitiv leidensfähig, sonst hätte er nach fünf Knieoperationen und einer schweren Rückenverletzung seine Karriere als Slopestyle-Skifahrer einfach beendet – und sich nicht für die Freeride-World-Tour angemeldet.

Also jener waghalsigen Veranstaltungsreihe, bei der Skiprofis die denkbar steilsten, gefühlt senkrechten Abhänge der Alpen hinabrasen. Mit Abstürzen kennt sich Bene Mayr also qua Beruf aus, das hätte der 27-Jährige schon mal gemein mit den üblichen Dschungelcamp-Teilnehmern – mit seinem obendrein guten Aussehen und trainierten Körper könnte er bestimmt auch bei der RTL-Nacktshow „Adam sucht Eva“ mitmachen. Seine Freundin Lena Merkel ist Schauspielerin, das attraktive Paar würde gut auf rote Teppiche passen, das Sympathische ist aber: Bene Mayr hat Besseres vor, als den schnellen Ruhm zu suchen. »Ich will mich gar nicht sich selber zur großen Marke machen«, sagt der gebürtige Münchner, der 34.000 Fans auf Facebook und 25.000 bei Instagram hat.

Foto Bene 564x429 - BERGAB NACH OBEN

»Ich bin kein Promi, kein Social-Media-Star, ich bin einfach Sportler.«

Einige Jahren erlaubt er sich noch zu träumen: vom Weltmeistertitel im Freeriden. In dieser Disziplin gehört er mit Ende Zwanzig auf einmal wieder zu den Jungen im Teilnehmerfeld, ein vierter Platz bei einem Worldcup in der ersten Saison macht Hoffnung. Vor allem aber ist Bene Mayr an einer Bar und zwei Restaurants beteiligt, in München und Innsbruck, zu denen er „wie die Jungfrau zum Kinde“ kam. Mayr arbeitet mit zwei langjährigen Freunden zusammen, die es verstehen wenn er zur Wintersaison tagsüber kaum erreichbar ist, aber wissen, dass er sich dafür im Sommer besonders reinhängt. Die Gastronomie ist ein gern gewählter zweiter Berufsweg für Sportler, weil sie oft neben Training und Wettkämpfen abends etwas dazuverdienen müssen.

Der Ex-Skateboardprofi Robinson Kohlmann hat am Gärtnerplatz die angesagte Bar Robinson eröffnet und dazu ein Lokal, Bene Mayr scheint auf einem ähnlichen Weg zu sein. »Mir macht es Spaß, Sachen zu entwickeln, auszuprobieren, zu schauen, was beim Gast funktioniert.«

Inspiration holt er sich beim Lesen, gerne in Biografien, »neulich etwa eine über Michael Käfer, die fand ich megagut«, sagt er, und schwärmt gleich noch über die Lebensleistung von Alfons Schuhbeck und dessen gastronomischer Eroberung des Platzls nahe des Hofbräuhauses. Eine andere Berufslaufbahn als die des Wirts ist für Mayr ohnehin vorerst nicht möglich, weil das Skifahren einem höheren Schulabschluss im Weg stand. Die Lehrer wollten ihm für Wettkämpfe nicht unterrichtsfrei geben und Sponsoren boten früh Verträge an. Also wagte er ein Leben als Skiprofi – gegen den Rat und das Bitten seiner Eltern. Die Mutter leitet eine Blindenschule, der Vater ist Werber, der Bruder Jurist. Bene Mayr wäre in einem bürgerlichen Leben gerne Arzt geworden, Sportarzt, »weil es mich immer fasziniert hat, wie die meine Verletzungen behandeln konnten“.

»Learning by doing – darauf basiert mein ganzes Leben.«

Schlimme Stürze sind seltener geworden seit seinem Wechsel vom Slopestyle-Fahrer, der mit schwierig zu landenden Sprüngen durch einen vorgegebenen Schneepark fährt, zum Abenteuer Freeriden. »Da passiert weniger, aber wenn doch, dann ist es gleich heftig.« Also: Lawinen, Felsen, ungebremstes Abstürzen in der beinahe senkrechten Wand. „Ich überlege mir vorher, auf was ich mich einlasse“, sagt Mayr, „dann kann ich das Risiko kalkulieren und dazu stehen, wenn doch etwas passiert.“ Wagemut lernt man in so einem Sport, aber was bringt das noch für die zweite Karriere? »Ehrgeiz und Disziplin«, sagt er, und »Selbstständigkeit «. »Learning by doing – darauf basiert mein ganzes Leben, ich hatte keinen Trainer beim Skifahrer, ich musste mir alles selber beibringen.« Damals Saltos, heute Kundenpsychologie oder Lieferantenabrechnungen. Und das Tanzen muss er unterwegs auch noch aufgeschnappt haben.

Klaus Schilling

erstellt am: 13.03.2017

Free WordPress Themes, Free Android Games