AUF EINEN ENERGY- DRINK MIT CHRISTIAN GROSSE - rush4
chris4 - AUF EINEN ENERGY- DRINK MIT CHRISTIAN GROSSE

Herr Grosse, Ihre Firma „Kickz“ erinnert mich an eine Grünwalder Millionärsgattin – sie ist deutlich älter als sie aussieht.

Christian Grosse: Genau gesagt gibt es uns seit 24 Jahren, aber natürlich sind wir durch ein paar Häutungen gegangen, um uns die Frische zu erhalten. Andererseits, wir haben den Namen nie geändert und das Logo auch erst ein einziges Mal, das meiste versuchen wir zeitlos und aufgeräumt zu halten. Es hat angefangen an der Münchner Freiheit, in dem Laden, den wir auch immer noch haben, in der Felitzschstraße 1. Ich bin damals mit einem alten Schulfreund an einem leeren Lokal vorbeigegangen und wir dachten uns: »Hey das wäre ein coole Fläche für einen Sneakerstore. « Also haben wir die Fläche angemietet. Wir hatten zwar Produktahnung, aber kannten keine Bezugsquellen, wo man die Ware herbekommen würde. In Deutschland gab es damals noch keine Distribution wie heute, keinen hochwertigen Retail, kein Szene-Marketing.

Haben Sie viel Lehrgeld zahlen müssen?

Es war sofort ein Erfolg. Die ersten Wochen liefen schon gut, einen Monat später kam dann schon „Nike“ dazu. Wir waren jahrelang so extrem erfolgreich, dass wir am Samstag einen Türsteher haben mussten, um den Andrang zu bewältigen. Es gab damals außer uns gar keinen Store, der so wie wir Schuhe wie Museumsstücke präsentierte. Als ich dann für mich entschieden habe, den Laden zu meinen „Hauptberuf” zu machen, habe ich meine Snowboardfirma, die ich damals noch hatte, an Titus verkauft und meinen Kumpel ausbezahlt und von da an allein weitergemacht.

Waren Sie Ihrer Zeit voraus?

Ich glaube, das war einfach eine gute Idee zu einem nicht ganz verkehrten Zeitpunkt. Unsere Blauäugigkeit half uns sicher auch manchmal. Und ich kannte mich mit Basketball aus. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre gab es keinen wichtigeren Sneaker als den Basketballschuh und somit haben wir intuitiv auf den richtigen Schuh gesetzt. Aber Sie haben nicht einfach nur bestehende Modelle übernommen. Wir haben dann die Marke „K1X“ gegründet und einen ziemlich coolen Schuh zu einer Zeit herausgebracht, der eine Gegenbewegung zu den dicken, aufgepumpten Sneakers von damals war. Unserer war eher schlank, mit einem möglichst tiefen Stand, um höher springen zu können und um stabiler zu stehen. Er hieß „The Chiefglider“ und war ein großer Erfolg. Von Sohle, Aufbau, Technik haben wir alles entwickelt. Unser „Chiefglider“, der etwa vor zwölf Jahren entwickelt wurde, wäre heute übrigens immer noch auf dem Stand der Technik. Wir sollten ihn wieder auflegen! Dabei werden doch bei Turnschuhen, insbesondere Laufschuhen, ständig Neuerungen vorgestellt. Laufschuhe sind viel simpler und primitiver als Basketballschuhe aufgebaut, weil du damit ja nur geradeaus laufen musst. Ein Basketballschuh hingegen muss rutschfest sein, viel mehr aushalten, du darfst nicht umknicken, musst damit schnell bremsen und zackig die Richtung wechseln können, hoch springen und wieder heil runterkommen. Wir haben extra deutsches Gummi damals verwendet, weil es griffiger ist.

Was trug man damals?

Als Breaker Puma Clyde und Suede, als Rapper Superstars. Als Baller später dann Air Force 1s. Ich habe damals Diadoras von Björn Borg getragen und die Jordans von Serie 1 ab. Meine Schuhgröße ist 47 1/2, die waren nicht so leicht zu bekommen. Es war natürlich ein weiterer Ansporn für mich, ein Geschäft aufzumachen, das diese Schuhgröße führen würde. Als ich 25 Jahre alt war, hat meine Schwester mich gefragt, ob ich nicht langsam zu alt für Sportschuhe bin. Damals war es ein Ausdruck, heute trägt jeder Nachrichtensprecher Sportschuhe zum Anzug. Heute kannst du dich nur noch darüber definieren, welchen Schuh du trägst.

Gibt es etwas, von dem Sie finden, dass man es mit 25 tragen konnte und in Ihrem Alter nicht mehr?

Also, die Baseballcap geht eigentlich nicht mehr. Die habe ich heute nur auf, weil ich mit dem Roller gekommen bin und ich nicht mit der Helmfrisur hier aufschlagen wollte. Aus gewissen Dingen wächst man einfach raus. Ich gehe auch nicht mehr mit Basketball Shorts ins Büro. Punkt.

Ist das schade?

Nein. Wenn ich Dieter Bohlen im Fernsehen mit seinen bunten Hoodies sehe… Der würde so viel besser in einem gut sitzenden Jacket und einem dunklen Hemd aussehen. Und auch sprachlich, ist irgendwann die Zeit gekommen, in der man nicht jeden zweiten Satz mit Kraftausdrücken aus der Jugend untermauern muss. In Würde zu altern ist definitiv cooler, als wenn es so aussieht, als hätte man den Ausstieg verpasst.

Empfinden Sie sich selbst als jung geblieben?

Jeder hält sich heute für junggeblieben. Aber ich glaube schon, wenn man den ganzen Tag junge Mitarbeiter um sich herum hat, die mit frischen Ideen und der neusten Musik daherkommen, versteht man leichter, was gerade in dieser Generation passiert. Was heute mehr denn je bei jungen Leuten zählt, ist das ikonische Teil einer jeden Marke zu tragen. Also nicht die Schuhe von „Levi‘s“ sondern deren Jeans, eine Jacke von einer richtigen Outdoor- Marke mit Geschichte – z.B. „Patagonia“ – die Basketball Shorts von „K1X“ und nicht von einer Skatemarke usw.

Warum ist das so?

Die Leute sind besser informiert durch das Internet. Sie lassen sich nicht mehr so leicht etwas vormachen. Die sehen ein Produkt und schauen sofort nach, wie lange es die Firma schon gibt, ob es ein Handwerksprodukt ist und wie viel Follower die Marke auf Instagram hat, also, ob es ernst zu nehmen ist. Die Transparenz ist unfassbar hoch heutzutage. Man muss sich darum auf eine handvoll Produkte konzentrieren, um darin gut zu sein. Wir werden mit kickz.com zum Beispiel gerade immer sportlicher, rücken wieder näher an den Basketballsport heran. Der Trend geht zu hochfunktionalen und technischen Looks. Sport ist gerade unfassbar populär. Wir haben viele Produkte rausgeworfen, die nur modisch und unsportlich sind. Die Frage ist, willst du dich entwickeln oder stehen bleiben.

Wechseln wir mal vom Shoppen zum Rocken: Kann man noch gut ausgehen in München?

Oh, da bin ich jetzt garantiert eine Spur rausgewachsen. Wie früher kann man garantiert nicht mehr hier ausgehen. Wenn man heute den Namen P1 sagt, schaudert es einem ja beinahe schon ein bisschen. Viele können sich gar nicht vorstellen, was für ein krasser Laden das vor 20-25 Jahren war. So ein voller Club würde heute sofort verboten werden: eine verrauchte Bude, mit einem einzigen Notausgang, die so voll war, dass man allein eine halbe Stunde gebraucht hat von der Eingangstür die fünf Meter in den Club zu gelangen. Und da stand dann plötzlich Prince am DJ Pult oder Young MC rappte spontan ein paar Tracks. Ich weiß nicht, ob Sie Young MC noch kennen. So young ist er heute jetzt auch nicht mehr.

Doch, kenne ich. Sie haben wirklich Prince im P1 gesehen?

Ja, und Chakka Khan und was weiß ich wen noch. So wie jetzt alle nach Berlin gehen, waren damals alle in München. Damals waren so viele Talente unterwegs und das Feiern war so frei und trotzdem friedlich. Und ich glaube, das gibt es heute nicht mehr.

Haben Sie einen Tipp für junge Menschen?

Oh, jetzt wird es aber anspruchsvoll. Also, das klingt jetzt nach einem echt altklugen Ratschlag, aber ich bin davon überzeugt: Es macht wirklich Sinn, nicht zu trödeln. Ich meine jetzt nicht mehr Tempo, mehr Stress zu haben, sondern, dass man die Zeit wertvoll nutzt. Du brauchst nicht erst mit 35 Jahren nach New York zu gehen. Und es macht auch keinen Sinn, mit über 30 sich unter 20-Jährige ins Silicon Valley zu mischen. Schau, dass du relativ schnell herausfindest, worauf du Lust hast und dann beeil dich! Und, wenn ich höre: Ich mache jetzt erst mal was Solides und eine Banklehre, dann kann ich nur sagen, vergiss es, dann hast du den Zug schon verpasst. Mach schnell, verlier keine Zeit!

Zum Bild oben: Während des Gesprächs in der Bar des „Flushing Meadows“ Hotels, trank Christian Grosse „K1X“, einen Energy-Drink, den er gemeinsam mit Niels Jäger, dem Besitzer des Hotels, kreiert hat. Annekatrin Meyers fand das Getränk angenehm wenig süß für einen Energy-Drink und bestellte sich auch eines.

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Während des Gesprächs in der Bar des „Flushing Meadows“ Hotels, trank Christian Grosse „K1X“, einen Energy-Drink, den er gemeinsam mit Niels Jäger, dem Besitzer des Hotels, kreiert hat. Annekatrin Meyers fand das Getränk angenehm wenig süß für einen Energy-Drink und bestellte sich auch eines.

erstellt am: 17.03.2017

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