A Hotel Happening - rush4
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Bei ausgefallenen kulturellen Events denkt man an New York, London oder an Berlin. München aber kommt einem dabei nicht unbedingt in den Sinn. Dies wird sich nun ändern. Der Unternehmer Michael Kern übernachtete vor einigen Jahren bei einem Documenta-Besuch in einem sogenannten „Pop-up Hotel“, das in einer Tiefgarage in Kassel aufgebaut worden war. Die Idee, einen Ort seiner ursprünglichen Berufung zu berauben und ihn zweckzuentfremden, ließ ihn seitdem nicht mehr los. Letzten Dezember bot sich nun die Chance, eine eigene Variante eines Pop-up Hotels umzusetzen: In einem Gespräch mit der Schörghuber-Gruppe, den Besitzern der ehemaligen Bayerischen Staatsbank, brachte er seine Hotel-Idee zur Sprache. Diese war wohl so ungewöhnlich und neu, dass die Unternehmer gleich begeistert waren und ihm das prominente Gebäude in der Kardinal-Faulhaber-Straße zur Zwischennutzung anboten, das bis vor ein paar Jahren von der Hypo-Vereinsbank genutzt wurde.

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Michael Kerns Ruf als erfahrener Gastronom überzeugte auch die letzten Zweifler. In den 90ern machte er sich einen Namen mit Institutionen wie dem „Ultraschall“ oder der „Nachtkantine“, heute ist er Inhaber diverser Clubs und Cafés, unter anderem des „Pacha“. So kam es schon bald zur ersten Besichtigung der Location, die weitaus größer war, als er es erwartet hatte. Ein fantastischer Ort, aber wie nur sollte man ihn zu einem Hotel gestalten, ohne alles komplett umzubauen? So holte er sich Verstärkung aus Mode, Design und Hotellerie. Neben dem Werbefachmann Gregor Wöltje, der mit ihm die Geschäftsführung des Hotels übernehmen wird, besteht das Team aus Lissie Kieser, Inhaberin des veganen Coffeeshops und Bücherladens „Lost Weekend“, dem „Pool“-Mitinhaber und Musikproduzenten Cambis Sharegh und dem Hotelier Alexander Lutz, der aktuell das Hotel Opera leitet. Zwei Jahre wird das Hotel existieren und „The Lovelace“ heißen – benannt nach den Frauen Ada und Linda Lovelace. Die eine war eine visionäre Mathematikerin aus dem 19. Jahrhundert, die andere Darstellerin im 70er-Jahre Skandalpornofilm „Deep Throat“ und später Frauenrechtlerin.

Bei einem Rundgang durch das Hotel, ist man von der Großzügigkeit des Gebäudes überrascht, das von außen konventionell klassich wirkt: Auf ca. 5000 qm erschließt sich das ehemalige Bankgebäude mit etlichen Räumen, im Zentrum ein lichtdurchfluteter Innenhof mit Glasdach. Der neobarocke Bau wurde 2005 erst aufwendig saniert.

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Speziell für das Hotel fertigte der Münchner Künstler Florian Süßmayr für jedes der 30 Zimmer meterhohe Porträts seiner Stadt an, auf den ersten Blick durch die enorme Größe stylish, auf den zweiten Blick jedoch politisch. Schwere Vorhänge in dunklem Rot oder Grau von Kvadrat umrahmen die Tapetenbilder und geben je nach Wunsch Einblick auf die Originalwände dahinter oder geben zugezogen den Räumen einen theatralischen Charakter. Sie verbergen die Bücherregale aus früheren Bürotagen, jetzt bestückt mit ausgewählten Magazinen. Den „Lovelace“-Machern war es wichtig, nicht zu viel zu verändern, um den alten Bank-Charakter zu bewahren. Das alte Eichenparkett ist zu schön für Teppiche und noch im Originalzustand. Die schalldichten Zimmer und Suiten sind weitestgehend unberührt geblieben, nur die Bäder mussten nachträglich eingebaut werden.

Beim Interior konnte man renommierte Partner aus der Designbranche wie Vitra, Sonos oder den griechischen Bettenhersteller Coco-Mat gewinnen, der auf Matratzen aus nachwachsenden Rohstoffen setzt. Das Thema Natur und Pflanzen zieht sich durch das ganze Hotel, so werden sowohl auf den Zimmern als auch im ganzen Hotel Pflanzen zu finden sein, eine meterlange grüne Wand im obersten Stock, die noch aus alten Bank-Zeiten stammt, ist mit den unterschiedlichsten Kräutern und Gewächsen bepflanzt. Sie führt zu einem Außenbereich mit Blick auf die Frauenkirche – ein sehr rares Plätzchen in München und perfekt für einen Sundowner.

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Über die „Flying Lobby“ in einem Innenhof, die tatsächlich nur von Metallverstrebungen getragen wird, sind alle Stockwerke sichtbar und geben dem Hotel einen kollektiven Charakter. Darüber hinaus wird es einen Friseur und verschiedene Shops mit Münchner Produkten geben. Angelehnt an den Geist eins Grand-Hotels, in dem sich nicht nur Hotelgäste, sondern auch Einheimische treffen, soll „The Lovelace“ Inspiration und Interaktion für Menschen auch aus München werden. Man hat bewusst Abstand von dem elitären Gedanken einer Membership genommen. In einer der vielen Bars und Tagungsräume soll man verweilen, trinken, essen, Musik, Filme und Vorträge hören. Das reiche kulturelle Programm ist schon fix, von Pingpong über Live-Konzerte: Jeden Abend steht ein anderes Event auf dem Programm. Ein Mammutprojekt, bei dem man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen darf. „Unser Hausbesitzer ist immer ganz verblüfft, wie wir das aushalten: So viele Baustellen, so vieles, was noch rechtzeitig fertig werden muss“, so Michael Kern. „Aber ich weiß einfach, es kann nur gut werden.“ The Lovelace öffnet offiziell am 9. September seine Pforten und wird dann bis 2019 die etablierte Münchner Innenstadt mit neuer Avantgarde bereichern. Schade, dass es nur so kurz sein wird, aber vielleicht ist das ja auch gut so: Schließlich weiß man nur Vergängliches wirklich zu schätzen.

THE LOVELACE
(Zimmer ab 170 Euro)
Kardinal-Faulhaber-Str. 1
www.thelovelace.com

LovelaceRoom2
Elevator
Coffeeshop1
CornerSuite5
LovelaceRoom1

erstellt am: 06.09.2017

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